Aufschrei – wie wär’s, wenn ihr stattdessen lernt, euch zu benehmen?
Abends in der Ubahn. Ein paar Jugendliche, die im vorbei gehen am Fenster obszöne Gesten machen. Ich hab schon schlimmeres erlebt. Nein. Mir wird schlecht. Auch da wurden Grenzen überschritten. Das macht man nicht.
Ich denke drüber nach. Flashbacks. Harmlose, kleine Respektlosigkeit. Versuch’s einfach zu vergessen. Mehr als verdrängen ist nicht drin. Verdrängen. Das wollt ich doch nie wieder.
Nach Tagen erzähle ich einem Freund davon. Höre, das seien eben kleine Arschlöcher. Das komme ja öfter vor. Nicht so drüber aufregen. Nicht so treffen lassen.
Diese Typen haben einen Fehler gemacht. Belästigt. Und nun soll ich meine Bewertung des Vorfalls anpassen? Das “nicht so ernst nehmen”? Meine Grenzen was zu weit geht verschieben?
Warum muss eigentlich immer ich mich anpassen?
Es fällt verdammt schwer darüber zu schreiben. Es ist peinlich. Dass das passiert ist. Aber noch mehr, zuzugeben, dass es einem so nahe geht. Dass es so trifft. “Hab dich nicht so”… Verdammt. Das sollte eigentlich nicht so sein.
*edit*

Schuldfragen…
Einzelfälle – In bester Gesellschaft
Mit am meisten regt es mich auf, wenn bei den Piraten mit zweierlei Maß gemessen wird. Ab und zu werden wie selbstverständlich Dinge gefordert oder gemacht, die sich in keinster Weise mit dem Parteiprogramm vereinbaren lassen, und das oft gerade von den Leuten, die auf der anderen Seite ganz extrem auf piratige Prinzipien pochen.
Dazu gehört die Forderung nach einer Art Gesinnungskontrolle, und das nicht nur bei der Wahl zum Vorstand. Da befürworteten in der Diskussion, welche Gliederung über eine Aufnahme jedes Neumitglieds entscheiden sollte, tatsächlich einige selbstverständlich das googln Einzelner vor Aufnahme.
Etwas Anderes, was mich zur Zeit fürchterlich aufregt, sind die “Einzelfälle“. Kein Wunder , dass sich man sich mit dieser Aktion in bester Gesellschaft befindet: Googlt man, ist einer der ersten Treffer der Politically-Incorrect-Blog, der ebenfalls einen “Pranger” betreibt – für kriminelle Ausländer. Keine Einzelfälle – Die ganze Partei besteht aus Sexisten und Rassisten, so die simple Logik. Ich habe das schon beim offenen Brief der Jungen Piraten kritisiert: Wir tun was und kehren kaum unter den Teppich. Das darf aber nicht so plump und unreflektiert geschehen. Ein Pranger… Um nichts anderes handelt es sich bei der Tumblr-Auflistung. Da werden anonym beliebig aus dem Zusammenhang gerissene, nach Meinung der Macher rassistische oder sexistische Aussagen von (angeblichen) Parteimitgliedern gepostet. Wer kontrolliert bitte, was da landet? Wer steckt dahinter. Was ist schlimm genug, was überhaupt sexistisch, rassistisch? Die Zitierten haben kaum Möglichkeiten, zu reagieren. Ein Vergleich mit Facebook-Lynchmobs ist nicht ganz unberechtigt. In der Masse der Posts gehen solche, die einen echten Shitstorm bis Parteiausschluss verdient hätten unter. Teilweise werden bei Personen, die in der Partei mit entsprechenden Fails berechtigterweise bekannt sind, harmlose Tweets gepostet. Kein Gespür für Ironie, Sarkasmus, genervte Trotzreaktionen. Wer einmal drauf ist taucht immer wieder auf. Mit immer absurd-harmloseren Tweets…
Ihr beschwert euch über das rauhe, aggressive Klima auf Mailinglisten? Kehrt erst mal vor eurer eigenen Haustür…

