Ohne Quote
Mit den Aufstellungsversammlungen für die Bundestagswahlen und dem Vorschlag der Grünen in Baden-Württemberg, Frauenquoten für Kommunalparlamente verpflichtend zu machen, kommt bei den Piraten mal wieder die Diskussion auf, ob eine Frauenquote eingeführt werden sollte.
Ich sehe die Quote als große Gefahr, weil sie Frauen noch mehr unter Druck setzt, als es schon heute der Fall ist.
Aktuell ist es so, dass bei weiblichen Piraten bei einer Kandidatur eine erhöhte Wahrscheinlichkeit angenommen wird, dass sie gewählt werden, weil die Konkurrenz der Vertreter dieses Merkmals zugegeben oft nicht besonders groß ist, da Frauen in der Basis der Partei wie auch in der Politik allgemein in der Minderheit sind. Wegen der “Außenwirkung”. Wie inkompetent und unfähig muss man nun sein, wenn man es trotz dieses “Genderbonus” nicht schafft, sich gegen männliche Konkurrenz durchzusetzen? Was, wenn man es nicht schafft, die 50 Prozent, die zur Bestätigung der Wahl nach Vorauswahl nötig sind, zu erreichen, weil man die Basis eben nicht überzeugt hat? Von weiblichen Kandidaten wird erwartet, dass sie allein wegen ihres Geschlechts eine gewisse Quote an Zustimmung erreichen . Diese Erwartung nicht zu erfüllen macht Angst.
Eine Amtsträgerin ist auch immer irgendwo “Quotenfrau”. Das ist aber nur ein Merkmal von vielen, und nicht jede möchte das selbst so zentral betont sehn.
Frauen stehen bei Wahlen zu Vorstandsposten und Mandaten für die Piraten schon jetzt unter enormen Druck. Tu ich mir das an? Halt ich das aus, trotz Quote zu scheitern?
Und wenn ich es schaffe? Was, wenn der Typ, der mehr Zustimmung hatte nicht auf die Liste kommt, weil an diesem Listenplatz zwangsweise eine Frau folgen muss? Ist man wegen der Quote rein gekommen, hat das immer einen faden Beigeschmack.
Auch weibliche Kandidaten müssen es ohne Quote schaffen können. Es ist Aufgabe der Basis, einen Vorstand zu wählen, der viele Interessen vereint und sie ausreichend repräsentiert. Geschlecht und Gender sind einzelne Merkmale unter vielen. Kandidatenquoten, egal welcher Art, sind Symptombekämpfungen. Wenn sich nicht genug Vertreter eines Merkmals aufstellen oder gewählt werden, um die Vielfältigkeit der Partei und Gesellschaft abzubilden ist das ein Problem der Basis, das man nicht durch Zwang zu lösen versuchen sollte. Wenn diese Vielfalt in der Basis fehlt, oder sich die Vertreter nicht trauen, muss man daran arbeiten.
Ich kandidiere in meinem Stimmkreis für die Direktkandidatur für den Landtag in Bayern. Als Frau. Als depressiver, möglicherweise polyamouröser Queerat, mit komischen Haaren und einem BMI, der um einiges oberhalb der Norm liegt. Als Student, Literaturwissenschaftler, mit erst 26. Als ehemals kurzzeitiger Sozialhilfeempfänger, Filmfreak und Hobbymusiker. Als “First Generation“, Kind so genannter “Bildungsferner”. Und mehr…
Alle diese Faktoren hatten Einfluss auf mein Leben, mehr oder weniger stark. Ich erkenne an, dass Menschen, die der ein oder andren Gruppe mehr oder weniger stark zugehörig sind oder bestimmte Schubladen aufgezwängt bekommen, als Angehörige dieser Gruppen teilweise diskriminiert werden. Das trifft Frauen, wenn es um Gehälter geht, Aufgrund von Körpergröße und Gewicht benachteiligte Beamte, wegen ihrer Herkunft Benachteiligte. Auf der anderen Seite kann man jede dieser Erfahrungen auch als Privileg sehen, als Herausforderung, als Aufgabe, an der man individuell wachsen kann.
Die Piraten sind eine sehr heterogene Gruppe und geben jedem die Möglichkeit , sich gleichberechtigt zu äußern. Dabei fördern und achten wir die Individualität jedes Einzelnen. Ein Mensch ist viel mehr als sein natürliches oder gefühltes Geschlecht. Mit dieser Einstellung sind wir nicht “Postgender”. Gender ist egal. Wir sollten weiter verschiedene Faktoren so behandeln, wie sie die Person gern anerkannt hätte. In dieser Hinsicht sind wir Vorreiter und das sollten wir beibehalten und auf die Gesellschaft übertragen.


Emmanuelle (@deuxcvsix) said,
Mai 24, 2012 um 8:45 nachmittags
Danke.
In so vielen Punkten spiegelst du wieder, was ich gerade denke.
Als Frau im Amt bei den Piraten.
Gewählt mit einem Bonus oder ohne, und mit der Angst Erwartungen nicht zu erfüllen.
Aber sind diese Erwartungen irgendwie relevant in Bezug auf das Amt?
Ein Ideal, welches aus meiner Sicht anzustreben wäre, wäre, dass es egal ist, und dass die Person, unabhängig vom Geschlecht, im Mittelpunkt steht.
Nenn es Feministisch, nenn es Post-Gender, oder einfach nur, egalitär. Es ist das Ziel.
schwarzblond said,
Mai 24, 2012 um 8:54 nachmittags
Ich freu mich über Deinen Post! Ich bin zwar nicht in allem Deiner Meinung aber über jeden vernünftigen Beitrag zum Quotenthema froh, der ohne Beleidung auskommt, egal von welcher Seite!
Gefion said,
Mai 24, 2012 um 9:17 nachmittags
Nachvollziehbarer Text, wie viele andere die gegen eine Quote argumentieren. Was sich mit nicht erschließt ist der Einstieg: wieso wirkt es bedrohlich, “trotz Quote zu scheitern”? Das irritiert arg. Wenn ich als Frau nicht meines Geschlechts wegen gewählt werden will, dann verliere ich doch nicht “trotz Quote”, vor allem nicht nur gegen männliche Gegenkandidaten. Eine Quote zu haben bedeutet ja nicht, dass Frauen per Default gewählt werden – sondern könnte sogar zu mehr Konkurrenz zwischen weiblichen Kandidaten führen.
Ich will nicht für eine Quote argumentieren – mir erschliesst sich nur wirklich dieses Argument nicht!
Liebe Grüße,
Gefion
die13 said,
Mai 24, 2012 um 9:42 nachmittags
Es geht nicht die eigene Einstellung zur Quote. Ich geb dir insofern recht, dass mich meine Einstellung da ein wenig unterstützt ein Scheitern zu verarbeiten.
Es geht um die Erwartungshaltung des Umfelds. Angenommen die einzigen zwei Frauen im KV kandidieren um den zwangsweise mit einer Frau zu besetzenden Platz. Die eine will eigentlich nicht, sagt ehrlich, dass es nicht ihr Ziel ist, für die Piraten in den Landtag einzuziehen. Die zweite ist eben eingetreten, keiner kennt sie, keiner vertraut. Keine der beiden erreicht bei der Wahl die nötigen 50% Zustimmung. Das mein ich mit “trotz Quote scheitern” oder auch “scheitern obwohl man auch ohne Quote nen ‘Frauenbonus’ hat”. Es ist ein bitteres Gefühl, da man doch schon rein aufgrund der Außenwirkung eine viel bessere Chance haben müsste, gewählt zu werden. Quotenbefürworter sagen es ja selbst, es ist hart genug, sich zu trauen. Nicht aber sich gegen männliche Konkurrenz durchzusetzen, eigentlich. So tut es noch mehr weh, es nicht geschafft zu haben.
piraten@benjamin-siggel.eu said,
Mai 24, 2012 um 10:57 nachmittags
Wie gefällt dir dann eine Charakterquote wie in diesem Vorschlag? https://lqfb.piratenpartei.de/pp/initiative/show/3313.html
die13 said,
Mai 24, 2012 um 11:56 nachmittags
Gar nicht gut. Zuordnungen, egal welcher Art, bilden immer nur Teilaspekte ab. Wenn man so etwas anfängt müsste man auch Quoten für bestimmte berufliche Qualifikationen, Herkunft, Alter und so weiter einführen. Wer bestimmt, vorher, welche dieser Fähigkeiten im einzelnen relevant genug für die Zusammensetzung einer Liste (evtl ne Alternative statt Quote) sind?
Und bei dieser subjektiven Einschätzung des beschriebenen Vorschlags, bestünde nicht die Gefahr, dass sich wer verstellt, nur um auf die Liste mit weniger Kandidaten zu kommen? Ein “Schüchterner” und ein “Selbstbewusster” sind auf der “Schüchternliste” gleichauf. Beide müssen sich präsentieren. Der Eine stottert wie verrückt, der Andere schauspielert, druckst ein bisschen rum und macht sonst den Eindruck, dass er zumindest ein wenig vor Leuten reden kann… wen wählst du?
Wäre die Lösung also eine Liste mit Leuten verschiedener (eher objektiv nachweisbarer) “Qualifikationen”? Ähnlich der SPD, die eine Migrantenquote eingeführt hat? Einen Migranten, eine Frau, einen Queeraten, einen Lehrer, eine Bäurin, drei Studenten, drei Rothaarige, fünf Brillenträger, zwei Briefträger… man erkennt, worauf ich hinaus will? In wie weit bin ich überhaupt Frau? Migrant (ich selbst habe z.B. eine doppelte Staatsbürgerschaft, reicht das schon)? Nerd? Von allem ein bisschen?
Wie schon gesagt, es ist Aufgabe der Basis, zu entscheiden, wie wichtig die Faktoren jeweils sind. Setz dich doch besser allgemein dafür ein, dass Piraten, die zum Beispiel nicht gern vor Kameras oder Leute allgemein treten, aber super kompetent sind, gewählt werden. Das geht über genug “Werbung” vor der Vorstellung. Jemand muss seine Kompetenz ja schon irgendwie gezeigt haben, zumindest schriftlich. Wenn jemand sich nicht selbst vorstellen kann unterstütze die Vorstellung doch, indem du mit ihm übst? Die richtigen Fragen bei der Kandidatur stellst, die seine positiven Seiten hervorheben(ein Grund, warum ich einen Befragungsmodus wie am BPT für absolut ungeeignet halte) … nur so ein Gedanke, hier muss jeder Einzelne mit helfen die Heterogenität der Partei auch unter den Mandatsträgern zu erhalten… in Berlin hat das meiner Meinung nach ganz gut funktioniert, die Leute scheinen alle sehr unterschiedlich, was ein hohes Konfliktpotential bietet, aber auch nicht schadet, außer dem Fraktionszwang, den es sowieso nicht geben darf…
korbinian said,
Mai 24, 2012 um 11:00 nachmittags
aktuell haben wir in unserer durch männer geprägten gesellschaft eine strukturelle bevorteilung von männern und noch stärker von frauen die sich in diesem system an die männlichen gepflogenheiten anpassen. daher gibt es bei piraten auch keine gläserne decke die integrierte frauen nicht durchstoßen könnten, im gegenteil – sie habens eher leichter. daher ist dein argument dass es für dich als frau bei einer quote schwieriger werden könnte sich durchzusetzen sehr ehrlich. aber eben kein argument gegen eine quote, sinn der sache ist es ja eben nicht es frauen möglichst einfach zu machen und sich keinem wettbewerb mehr stellen zu müssen. sie soll eher wettbewerb fördern, damit sich eben die die tatsächlich qualifiziert sind sich durchsetzen. davon abgesehen sollte man sich die frage stellen was eigentlich die aufgabe einer partei ist die im bundestag sitzt. nach meiner auffassung hat sie die aufgabe die bevölkerung zu repräsentieren, und nicht eine parteistruktur abzubilden. dabei geht es nicht _nur_ um gender, sondern auch um einkommensverhältnisse, herkunft, bildungsgrad, beruf, usw… ich bin kein großer freund von starren quoten, sehe sie aber aktuell als sinnvollen weg an um mehr diversität zu erreichen. ohne anreize oder zwang verstärken sich sonst immer nur vorhandene strukturen die aktiv menschen ausschließen.
die13 said,
Mai 25, 2012 um 12:08 vormittags
Also ich halte mich für nicht besonders angepasst, weder an “weiblich” noch “männlich”, und die Angst ist auch weniger die vor einem Scheitern an sich, als die vor Erwartungen und Reaktion des Umfelds. Zum Thema “möglichst gute Repräsentation der Gesellschaft” (und damit aller möglichen Gruppen) siehe http://die13.wordpress.com/2012/05/24/ohne-quote/#comment-85
Lars! said,
Mai 24, 2012 um 11:29 nachmittags
Warst du nicht mal für die Frauenquote? Warum hast du deine Meinung geändert?
die13 said,
Mai 25, 2012 um 12:00 vormittags
Waaaaaaaaaaah … wie kommst du denn auf die Idee? N E V E R !!!
Siehe dazu z.B. auch mein alter Blogpost zu den “Piratinnen”
Klischeepunk (@Klischeepunk) said,
Mai 25, 2012 um 3:21 nachmittags
thumbsup. schön das es noch leute gibt die die konsequenzen von quoten erkennen (http://die13.wordpress.com/2012/05/24/ohne-quote/#comment-85)
Volle Zustimmung und Daumen hoch.
Lukas said,
Mai 25, 2012 um 3:27 nachmittags
Ich bitte zu bedenken, die Quote hat auf jeden Fall immer dafür gesorgt, dass der Frauenanteil angemessen war. Dessen sollten wir uns auf jeden Fall bewusst sein. Durch Quote haben nachweislich viele Frauen den Weg in die Politik gefunden. Ich hoffe, dass wir darüber eine gute und emotionslose Diskussion führen können, Vielleicht finden wir dadurch ganz neue Wege.
die13 said,
Mai 25, 2012 um 4:47 nachmittags
Es geht um was andres. Ich vertrete zu einem Anteil sicher auch Frauen. Bin eine. Aber eben nicht nur. Ich möchte nicht darauf reduziert werden da es für mich persönlich wichtigeres gibt. Ich versteh auch nicht alles, was allgemein als “weiblich” gesehen wird. Es wäre falsch zu versprechen, ich könnte etwas nachvollziehen und rüberbringen was ich eben nicht fühle…. Das ist auch so eine dieser Erwartungen….
Michael Rath said,
Mai 25, 2012 um 3:45 nachmittags
Der Bericht ist klasse, danke. Hast du was dagegen wenn wir ihn auf unserer Homepage http://www.piraten-sek.de veröffentlichen ? Gruß Michael R. Vorsitzender Piraten Schwalm-Eder Kreis Hessen
die13 said,
Mai 30, 2012 um 6:54 nachmittags
Nein, denkt aber evtl dran, dass das keine Parteimeinung sondern ein persönlicher Kommentar ist. Ihr könntet es wie der Kegelclub machen und beide Meinungen bringen, das fand ich sehr gut.
BlubvonIglo said,
Mai 27, 2012 um 1:11 nachmittags
“Auf der anderen Seite kann man jede dieser Erfahrungen auch als Privileg sehen, als Herausforderung, als Aufgabe, an der man individuell wachsen kann.”
Wow, ohne Worte…
Jack Berlin said,
Mai 28, 2012 um 11:47 vormittags
Wie hoch ist beispielsweise der weibliche Anteil der Wahlbevölkerung? Wie hoch ist beispielsweise der weibliche Anteil der Nicht-Wähler?
Man(n) – Frau wohl auch (Post-Gender hin oder her) – kommt nicht umhin zu erkennen, dass auch die Notwendigkeit einer strategischen Ausrichtung der PIRATEN erforderlich ist.
Ist es in der Parteiendemokratie von Deutschland jemals vorgekommen, dass eine Partei primär Frauen als Kandidateninnen aufgestellt hat?
Man(n) – Frau wohl auch (Post-Gender hin oder her) – kommt nicht umhin zu erkennen, dass jeder PIRAT seinen Teilbeitrag leisten kann, Geschichte zu schreiben.
Man(n) – Frau wohl auch (Post-Gender hin oder her) – mag diese Argumente teilen oder auch nicht. Alle PIRATEN müssten aber eigentlich gemein haben, dass Aspekte ihres Programms (bGE, Transparenz, mehr direkte Demokratie, Entkriminalisierung etc.) alsbald realisiert werden sollen.
Hierzu braucht man eine Mehrheit bzw. einen entsprechenden Einfluss in einer Regierungskoalition. Dieser Status quo ist selbstverständlich! Trotzdem muss man(n) daran erinnern, dass es im Kern nicht eine Quote, sondern um wesentlich hehrere Werte geht.
moinsound said,
Mai 29, 2012 um 10:19 vormittags
Dein Argument, die Quote setzt Frauen noch mehr unter Druck (falls sie es trotz Quote nicht schaffen, die 50% zu kriegen), führt natürlich zu folgendem interessanten Umkehrschluß.
Ohne Quote bedeutet das, daß die Männer noch mehr unter Druck stehen, falls sie es ohne Quote nicht gegen eine Frau schaffen?
Alles in allem: warum braucht man eigentlich eine Quote? Weil es nicht akzeptabel ist, wie die Leute ihr demokratisches Wahlrecht wahrnehmen?
Und last but not least – wie läßt sich eine Quote eigentlich mit dem Grundgesetz und dem Anti-Diskriminierungsgesetz vereinbaren? Eine Quote bedeutet, daß ein Mensch vom Zugang zu einer bestimmten Position ausgeschlossen wird, weil er/sie einen Penis/einen deutschen Paß/eine Taufurkunde hat…
Oder ist das einer der Fälle von “Verfassungsbruch ja, aber das ist halt gerade politisch en vogue, und Gewaltenteilung ist sowieso ein Ammenmärchen für die Schulbücher”.
Ich als Wähler möchte mein verfassungsmäßig verbrieftes Recht zur freien Wahl bitte auch weiterhin wahrnehmen (und zwar bei Kommunal/Bundes/Landeswahlen ebenso wie bei Aktionärshauptversammlungen), den besten Kandidaten zu wählen.
Joscha said,
März 31, 2013 um 11:27 vormittags
Dein Umkehrschluss stimmt so nicht. Es wird ja argumentiert, dass Frauen bei den Piraten bereits jetzt nicht benachteiligt sind. Wenn das so ist, dann führt eine zusätzliche Quote dazu, dass ein Verdacht entsteht, frau hätte den Posten wegen Quote und nicht wegen Befähigung. (Bei vorliegender Benachteiligung könnte die Quote dazu führen, dass befähigte Frauen den Posten trotz struktureller Benachteiligung bekommen.)
Grundsätzlich schaffen es übrigens nie alle: es gibt meist deutlich weniger Positionen als Willige und Fähige. Jede Beschränkung der Liste, nicht nur durch Quoten, sondern auch durch Delegationsgrößen etc., führt dazu, dass Menschen vom Zugang zu einer bestimmten Position ausgeschlossen sind. Das ist aber kein Verfassungsbruch.
Ich persönlich stimme dem Argument von Frau M. vollkommen zu, aber ich glaube auch nicht, dass eine Quote per se undemokratisch sein muss.
Jack Berlin said,
Juni 3, 2012 um 1:12 vormittags
Als Verfasser bitte ich, den nachfolgenden Kommentar in Verbindung mit
http://t.co/xwyfDlNG zu lesen.
Ich habe sie noch nicht. Vielleicht werde ich sie auch nie haben. Gleichwohl sei es gestattet, einige konservative Anmerkungen zu „meiner Prinzessin“ zu schreiben:
Der liebevolle Umgang mit dem Begriff der Freiheit beinhaltet hier die zentrale Aussage der Autorin, dass Menschen so leben sollen, wie sie möchten. Inspiriert von diesem Grundgedanken nimmt die Autorin sodann einen Transfer auf die Gesellschaftsebene vor.
Dabei zieht sie zunächst den Rückschluss, dass ein freiheitliches Menschenbild sich von einer gesellschaftlichen Rollenerwartung aufgrund des Geschlechts lösen muss. Weiteres evidentes Merkmal ist nach Auffassung der Autorin, dass ein freiheitliches Menschenbild auch von dem Gedanken getragen wird, dass freie Menschen ihre Gesellschaft gestalten.
Damit eine solche freiere Gesellschaft gestaltet werden kann, bedarf es nach der Auffassung der Autorin eine Aufhebung der Geschlechterrollen, wenn sie aufführt: „Wenn wir aber, bezogen auf angeblich angeborene Merkmale sagen, „Männer sind (…) so und Frauen sind eben anders“ und darauf Ideen für politische Entscheidungen aufbauen, kann das nur schief gehen.“
An dieser Stelle sei betont vorgebracht, dass man(n) eigentlich aussteigen möchte. Warum? Sollte ich mal eine Tochter haben, dann wäre es für mich selbstverständlich, dass meine Tochter so sein kann, wie sie möchte und solange sie nicht selbst für ihre Rechte eintreten kann, solange würde ich jedem in die Fresse hauen, der ihr diese freie Lebensgestaltung verwehrt.
Gut, dass stellt jetzt kein spezielles Know How im Sinne der Autorin dar, sondern soll lediglich verdeutlichen, dass ich mir mit meinem testosterondurchtränkten Horizont eigentlich gar nicht vorstellen kann, dass eine politische Gestaltung erfolgt, welche eine Beschränkung unserer verfassungsrechtlich garantierten freiheitlich demokratischen Grundordnung vornimmt. Gleichwohl muss man(n) – frau wohl auch – der Autorin zustimmen, dass durch die Geschlechterrollen Frauen auch heute noch in Schablonen gepresst werden, welche im Widerspruch zu unserem Grundgesetz steht.
Meines Erachtens wird es erst jetzt richtig interessant. Es stellt sich nämlich die Frage, wie die Autorin eine freiheitlich demokratische Gesellschaft umsetzen möchte, welche sich bewusst die Freiheit nimmt, auf Rollenerwartungen aufgrund eines Geschlechts zu verzichten. Da wir alle in einer Parteiendemokratie leben und diese gerade darauf abzielt, dass eine Partei auf allen Ebenen des föderalen Systems vertreten ist, greift eine freiwillige Wählergemeinschaft zu kurz und es muss für die Autorin eine Partei her.
Der Bezug auf die – zumindest nicht ausgereifte – „Kegelklub-Umfrage“ verdeutlicht, dass es sich wohl um die Piratenpartei Deutschland handelt. Man(n) muss mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, dass die Autorin zur Umsetzung innerhalb der Piratenpartei keine konkreten Ausführungen vornimmt, sondern es bei dem solidarischen Aufruf belässt, dass (wohl) Frauen sich im Team an die Arbeit machen sollen.
Mit meinem beschränkten Horizont nehme ich an, dass die Autorin das „Frauen-Team“ dahingehend verstehen möchte, dass man(n) wohl auch in diesem Team involviert ist. In der Folge sei es gestattet, in aller Freiheit den Beitrag der Autorin wie folgt zu ergänzen: Die Gesellschaft pustet zurzeit kräftig in das Segel der Piratenpartei. Es bedarf keiner hellseherischen Kräfte um zu erkennen, dass die PIRATEN bei der nächsten Bundestagswahl höchst wahrscheinlich in den Bundestag einziehen werden.
In der Folge ist ein Kuchen in Aussicht, der verständlicherweise bei dem einen PIRATEN oder der anderen PIRATIN Begehrlichkeiten weckt. Man(n) möchte hier eigentlich warnen und darauf hinweisen, dass der Kuchen erst einmal gebacken werden muss, bevor er verzerrt wird. Indes ist es leider eine Krux unseres Wahlsystems, dass Kandidaten vor der Wahl nominiert werden müssen.
Wohl auch deshalb, findet in der Piratenpartei gegenwärtig eine Diskussion statt, ob zugunsten der weiblichen Piraten eine Quote eingeführt werden soll. Mit Blick auf die Bundestagswahl wurde unter anderem durch dem Berliner Abgeordneten @RealDeuterium konstatiert, dass eine Quote auch dazu missbraucht werden kann, damit einige weibliche PIRATINNEN sich einen unlauteren Wettbewerbsvorteil gegenüber den männlichen PIRATEN sichern. Dieser – zumindest unglücklich formulierten – Feststellung haftet ein Körnchen Wahrheit an, welches bei einer realitätsnahen Betrachtung nicht von der Hand gewiesen werden kann.
Aber auch ohne diesen Aspekt findet die Quote vermutlich keinen gesteigerten Beifall bei den PIRATEN. Jede PIRATIN kann kandidieren. Es obliegt folglich ausschließlich der PIRATIN, dass sie sich im Wettbewerb mit den männlichen Mitbewerbern behauptet. War es nicht mal Marina Weißband, welche bei ihrer Kandidatur zur PolGF der PIRATEN dezidiert vorgetragen hat, dass sie eben nicht gewählt werden möchte, weil sie eine Frau ist? Marina Weißband wollte und ist gewählt worden, weil die Wähler sie für geeignet gehalten haben. Auf dieser Argumentationslinie ist es daher nachvollziehbar, dass einige PIRATEN und auch PIRATINNEN eine Gleichberechtigung innerhalb der Partei als gewährleistet sehen.
In diesem Zusammenhang weist die Autorin darauf hin, dass eine wissenschaftliche Analyse mit der Macht der Geschlechterrollen bzw. mit den damit verbundenen verkrusteten Strukturen im gesellschaftlichen Kontext erforderlich ist, damit mit diesem Wissen gestaltet werden kann. Es wäre abermals schön gewesen, wenn die Autorin dieses Wissen zumindest skizziert hätte, damit sich dem externen Leser erschließt, warum eine maximale Gleichberechtigung innerhalb der PIRATEN eben nicht besteht bzw. warum bereits innerhalb der PIRATEN ein Gestaltungsbedarf besteht.
Denkbar wäre beispielsweise, dass die männlichen PIRATEN unreflektiert in ihrer anerzogenen Rollenerwartung verharren und somit intendiert oder unbewusst die weiblichen PIRATEN beschränken. Eine freiheitliche demokratische Grundordnung würde hier fordern, dass die Kandidaten ein Spiegel der pluralistischen PIRATEN sein sollte, also Gruppen bei der Kandidatenaufstellung jeweils angemessen berücksichtigt werden sollte.
Diese Ansicht teilt die Autorin wohl, wenn sie ausführt: „Wir wissen – und das ist mal eine sichere Erkenntnis – dass nicht alle Menschen mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren werden. Und dass sich nicht alle Menschen mit ihrem angeborenen Geschlecht wohl fühlen. Wir kämpfen dafür, dass alle (!) so leben können, wie sie möchten, ohne gesellschaftliche Rollenerwartungen aufgrund des Geschlechts!“
„Alle so leben können, wie sie möchten“ beinhaltet die logische Konsequenz, dass nicht nur homo- oder transsexuelle Gruppen, sondern auch die Gruppe der Behinderten, die Gruppe der PIRATEN mit Migrationshintergrund etc. angemessen (!) bei der Kandidatenaufstellung berücksichtigt werden müssten. Die Mathematiker unter den PIRATEN wären folglich aufgefordert, ein Modell vorzulegen, wie die Quoten sämtlicher Gruppen in der PIRATENPARTEI berechnet werden kann, damit alle Gruppen angemessen bzw. gerecht vertreten sind. Würde in diesem Kontext der PolGF mit seiner sexuellen Ausrichtung oder seiner Körpergröße ebenfalls eine Gruppe darstellen, welche eine angemessene Berücksichtigung erfahren müsste? Mit dieser Überspitzung erschließt sich für den geneigten Leser, dass es wohl auch die PIRATEN nicht schaffen werden, einen gerechten Ausgleich zwischen den verschiedenen Gruppen zu realisieren.
Was haben andere Parteien geschafft? Die Grünen praktizieren eine Quote. Den PIRATEN fällt es eher schwer etwas von den Grünen zu übernehmen. Sie teilen wahrscheinlich das Bewusstsein, dass die Umwelt geschont werden muss. Gleichwohl ist beispielsweise nicht jeder PIRAT von dem Erziehungsergebnis der „Grünen Kinder“ begeistert. Auch dürfte nicht jeder PIRAT davon begeistert sein, dass die Grünen als eigentliche Partei der Besserverdiener keine überzeugende Modelle liefern, wie der „kleine Mann“ ihre Umweltpolitik bezahlen kann/ soll.
Es stellt sich folglich die Frage, ob die PIRATEN die anderen Parteien in einer gewissen Art und Weise kopieren sollten oder ob es nicht doch einen ganz eigenen Weg gibt, den die PIRATEN beschreiten könnten. Fakt ist, dass die Frauen – wie übrigens in jeder anderen Partei auch – geringer vertreten sind als die männlichen PIRATEN. Indes weisen die PIRATEN im Vergleich zu den anderen Parteien noch den Vorteil auf, dass sie als Partei flexibel agieren und reagieren können.
Mit Blick auf die parteiinterne Quotendiskussion sei anfänglich auf das Reißverschlussverfahren eingegangen. In diesem Verfahren könnte zuerst eine PIRATIN, sodann ein PIRAT, in der Folge wieder eine PIRATIN gewählt werden und so weiter und so fort. Bei diesem Verfahren geht es nicht darum, dass PIRATINNEN und PIRATEN fifty-fifty berücksichtigt werden. Dies wäre nur dann der Fall, wenn die Basis der PIRATEN jeweils zu 50 % aus PIRATINNEN und PIRATEN bestehen würden.
Anders formuliert: Wenn die Basis aus 20 Mitgliedern bestehen würde und 5 Mitglieder sind PIRATINNEN, dann liegt die weibliche Wahrscheinlichkeit der Wahl bei 1 zu 5 und bei den männlichen Bewerbern bei 1 zu 20. Mithin stellt dieses Verfahren ebenfalls eine Quote dar und zwar mit Blick auf die Grünen eine deutlich verbesserte Quote. Freilich findet auch mit dem Reißverschlussverfahren keine angemessene Berücksichtigung aller Gruppen statt.
Damit wird deutlich, dass die PIRATEN weiterhin an der Last einer gerechten Kandidatenvertretung der jeweiligen Gruppen herumdoktern, obwohl die PIRATEN mit ihrer postulierten progressiven Grundeinstellung und ihrer Flexibilität durchaus in der Lage wären, einen Vorstoß zu wagen, welchen die bundesrepublikanische Demokratie noch nicht erlebt hat. Damit ist der geneigte Leser wieder an dem Punkt geführt, dass der Kuchen erst einmal gebacken werden muss, bevor er überhaupt verzerrt werden kann.
Wieso schließen sich Menschen in einer Partei zusammen? Zur Erinnerung: Sie möchte daran arbeiten, dass unsere freiheitlich demokratische Grundordnung ein erhöhtes Maß an freiheitlicher Wirklichkeit erfährt. Die Autorin hat dies folglich sehr schön auf den Punkt gebracht, wenn sie schreibt, dass sie gestalten möchte. Gestalten können in einer Demokratie immer nur die, welche entsprechende Mehrheiten auf sich vereinigen. Der Kuchen muss folglich ziemlich groß werden oder anders formuliert, die PIRATEN brauchen zumindest einen entsprechenden Einfluss in einer Regierungskoalition.
Es sei an dieser Stelle auf den Vorschlag des Berliner Abgeordneten @schmidtlepp eingegangen: In seiner flapsig, pragmatischen Art schlug dieser quasi in einem ersten Reflex vor, die Kandidatenaufstellung zum Abgeordnetenhaus Berlin für die Bundestagswahl umzukehren, also die ersten 14 Listenplätze mit PIRATINNEN zu besetzen. Muss an dieser Stelle der eine oder andere PIRAT oder PIRATIN ein Lachen, mitleidigen Blick usw. unterdrücken? Wenn ja, dann sei die Ausführung der Autorin wiederholt, dass „ … wir, bezogen auf angeblich angeborene Merkmale sagen, „Männer sind (…) so und Frauen sind eben anders“ und darauf Ideen für politische Entscheidungen aufbauen …“. Vielleicht kann hinter diesem Reflex von @schmidtlepp – ich möchte es mal als das „Berliner Modell“ bezeichnen – doch mehr stecken, wenn man(n) – frau wohl auch – das „Berliner Modell“ im Lichte eines freiheitlicheren Menschenbildes, also losgelöst von tradierten gesellschaftlichen Rollenerwartungen betrachtet.
Eine solche Betrachtung macht allerdings nur dann Sinn, wenn die Basis für sich den Willen artikuliert, dass die PIRATEN nach Möglichkeit gestalten wollen. Die PIRATEN haben in der Öffentlichkeit nie von sich gegeben, dass sie sich ausschließlich mit der Rolle der Opposition begnügen möchten. Meines Erachtens ist das selbstverständlich. Warum? Ich bin bei den PIRATEN eingetreten, weil ich zumindest gehofft habe, dass im Schulterschluss mit den PIRATEN mehr direkte Demokratie bzw. eine erhöhte Transparenz der Exekutive realisiert werden kann.
Es sei abermals vorgetragen, dass die PIRATEN hierzu zumindest einen entsprechenden Einfluss in einer Regierungskoalition brauchen. Ist es jetzt eines PIRATEN unwürdig, wenn er mit Blick auf Backe-Backe-Kuchen artikuliert, dass er es für die Bundestagswahl sinnvoll erachtet, dass sich die PIRATEN für die Bundestagswahl strategisch ausrichten mögen? Wie könnte eine solche Ausrichtung der PIRATEN aussehen, welche gerade bei der Gestaltung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in Konkurrenz zur FDP steht?
Fakt ist beispielsweise, dass der weibliche Anteil der Nichtwähler höher ist, als der männliche oder dass der weibliche Anteil der 25 – 30 Jährigen Nichtwähler am höchsten ausfällt. Es ist also wahrscheinlich, dass die Umsetzung des „Berliner Modells“ durchaus dazu führen könnte, dass die PIRATEN bei der Bundestagswahl nicht nur 8 % sondern durchaus 10 % erreichen könnten. Es könnten mühelos weitere Fakten aufgeführt werden, welche in die gleiche Richtung tendieren, ohne dass die PIRATEN sich in ihren fundamentalen Werten verbiegen müssten.
Der fundamentale männliche Alt-PIRAT wird mir gleichwohl wahrscheinlich vorwerfen, dass ich mich mit dieser Denkweise (strategische Ausrichtung) genau so verhalten würde, wie es die etablierten Parteien machen würden und dass ich als Neu-PIRAT schlichtweg nicht verständen hätte, worum es bei den PIRATEN eigentlich gehen würde. Wahrscheinlich wird mir der fundamentale Alt-PIRAT auch vorwerfen, dass das „Berliner-Modell“ reiner Populismus sei und dass ich abermals bei den PIRATEN Strukturen einführen möchte, wie es sich für die PIRATEN schlichtweg nicht gehört. Wahrscheinlich wird er sogar denken, dass ich nicht nur ein #Anfänger bin, sondern doch bitte die Partei wechseln möge.
Lieber Alt-PIRAT! Wir sind in vier Landesparlamenten und es besteht eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass wir in dem Bundestag kommen werden. Mögen wir auch noch nicht etabliert sein, so sind wir gleichwohl gezwungen, möglichst schnell erwachsen zu werden. Ich als Neu-Pirat helfe dir gerne dabei.
An dieser Stelle sei es weiterhin gestattet, die Autorin und den geneigten Leser abermals aktiv einzubeziehen: Gemäß dem Fall die PIRATEN würden sich für das „Berliner Modell“ entscheiden, dann beinhaltet diese Entscheidung, dass die PIRATEN sich bewusst die Freiheit nehmen würden, auf Rollenerwartungen aufgrund eines Geschlechtes zu verzichten, damit eine freiheitlichere demokratische Gesellschaft bereits in den eigenen Reihen tatsächlich realisiert wird. Das ist im Lichte des Art. 3 GG ein hehres Ziel und hat nichts mit Populismus gemein.
Freilich werden in erster Linie gegen das „Berliner Modell“ die „PIRATEN“ wettern, welche ihre ureigenen Interessen gefährdet sehen. Diesen Leuten sei auf dem Weg gegeben, dass wir uns in erster Linie zu den PIRATEN bekannt haben, damit unsere politischen Ziele umgesetzt werden. Mit Blick auf einen Ausgleich zu den anderen Gruppen innerhalb der PIRATEN sei lediglich ergänzend aufgeführt, dass bei einem Wahlergebnis von 10 % davon ausgegangen werden kann, dass nicht 15 Mandatsträger, sondern 300 PIRATEN auf einmal professionelle Politik machen müssten. Es spricht also nichts dagegen, wenn in der nachfolgenden Reihe der Unterstützer die anderen Gruppen umfassend ihre Berücksichtigung erfahren.
Weiterhin nimmt die Autorin keine Ausführungen vor, zu welchem Ergebnis eine freiheitlich demokratische Gesellschaft kommen könnte, welche sich die Freiheit nimmt, auf Rollenerwartungen aufgrund eines Geschlechts zu verzichten. Auch das Programm der PIRATEN schwächelt an dieser Stelle deutlich. Mir fällt auch hier wieder ein Tweet des Berliner Abgeordneten @pfadintegral ein, welcher in dem bisherigen Kontext mal strikt zwischen Biologie und Sozial differenziert hat.
Ich teile diese Ansicht nicht: Mein Geschlecht, meine sexuelle Orientierung ist Teil meines Selbstverständnisses. Ich will dieses Selbstverständnis haben und gerade weil ich es haben möchte, ist es auch ein wesentlicher Bestandteil meiner sozialen Interaktion zu anderen Menschen. Anders formuliert: Sollte ich mal eine Tochter haben, dann wird sie mitnichten Post-Gender, Eichhörnchen, Equalismus etc. sein, sondern einfach nur meine Prinzessin. Mag mir hier der ein oder andere vorwerfen, dass ich jetzt ziemlich widersprüchlich sei. Und? Dann bin ich halt auch ein wenig konservativ. Ich kann und darf das, schließlich bin ich PIRAT!
ChB said,
Juni 8, 2012 um 1:05 nachmittags
Hallo,
ich bin ganz deiner Meinung. Die Quotendiskussion resultiert aus Fehlern in der Vergangenheit. Die ganze Problematik wird sich in einigen Jahren von selbst erledigen. Dank der Frauen von heute.
Grüße
ChB
Feal said,
Juni 12, 2012 um 12:20 vormittags
Danke! Du sprichst mir wirklich durch und durch aus der Seele. Und ich muss als Mensch, der biologisch männlich ist und durch einen Großteil der Bevölkerung wohl auch als soziologisch männlich eingeordnet werden würde, anmerken, dass das auch in die andere Richtung geht; das heißt, dass man auch damit konfrontiert wird, trotz vielleicht besserer Qualifikationen für etwas nicht gewählt zu werden, nur weil man ein X-Chromosom weniger hat. Abgesehen davon, dass eine Geschlechterquote so verdammt beschissen heteronormativ ist, gleicht sie also eine Ungerechtigkeit mit einer anderen aus. Und Brückentechnologie hin oder her, das kann niemandes Ziel sein.
Liebe Grüße,
Feal.
Aufschrei#2 – Schach-WM mit Dame… « Die13's Weblog said,
Januar 31, 2013 um 5:07 nachmittags
[...] Männer können nicht zuhören und Frauen nicht einparken. Auch das ist Sexismus. Im Zuge der “Aufschrei”-Debatte geht es mehr um krasse Folgen einer auf die Trennung beider Geschlechter genormten Gesellschaft: die Wahrnehmung des Gegenübers *nur* als möglichen Sexualpartner und daraus resultierendes Fehlverhalten. Sexismus ist jedoch weit mehr. Er fängt da an, wo wir uns an bigeschlechtliche Stereotypien derart gewöhnt haben, dass wir automatisch Mann-bzw. Frausein als hauptsächlich bis einzig relevant für die Entwicklung und das Verhalten einer Person voraussetzen (daher auch meine Kritik an einer Frauenquote). [...]