Bayrische Biergartenkultur auf piratisch

April 4, 2013 at 2:19 nachmittags (fun, Medien, Video) (, , , , , )

Als gestern die Frage aufkam, wer in oder um München denn des Bayrischen mächtig sei fiel mir eine spontane Comedyeinlage während des Debattiertrainings in der LGS wieder ein, von der eine Aufnahme (in mäßiger Handyqualität im großen Raum) existiert die ich euch nicht vorenthalten möchte:

OGG
MP3

Thema war eine Änderung der Sperrstunde für Biergärten, die seit Mitte der 90er auf 23:00 festgelegt ist, was auf einen Aufstand der Bevölkerung gegen die Vorverlegung auf 21:30 zurückzuführen ist(die sogenannte “Biergartenrevolution“), die durch einige Pullacher Anwohner wegen der angeblichen Lärmbelästigung durch die “Waldwirtschaft” durchgesetzt wurde. Da das Debating ohne Ankündigung des Themas stattfindet und die Zwischenredner quasi nur mit sieben bis etwa 30 min Vorbereitung ohne Möglichkeit zur realen Faktenprüfung (Erklärung siehe unten) als Reaktion auf die Beiträge der “Regierung” und “Opposition” in die Übungsdebatte einsteigen erhebt der spontane Beitrag keinen Anspruch auf Richtigkeit gennanter “Fakten”.

Das Debating ist eigentlich eine ernste Sache, bei der Piraten das parlamentarische debattieren üben. Dabei wird in zwei gegnerischen Gruppen zu jeweils drei Personen je 7 Minuten debattiert, die Gruppen haben vorher etwa 10 Minuten zur Vorbereitung. Dazwischen sprechen drei Teilnehmer der Debatte, die das Thema erst bei Eröffnung durch die Regierungsseiten erfahren und sich dann für eine Seite entscheiden müssen. Der Beitrag stellt eine dieser normal dreimiunütigen Zwischenreden dar.
Die Debattierabende finden in der Regel alle zwei Wochen in der Landesgeschäftsstelle in München statt und sind für alle Interessenten offen, aktuelle Infos findet ihr hier.

Obwohl ich das Debattiertraining normalerweise recht ernst nehme hab ich es mir bei diesem Thema spontan nicht nehmen lassen, ausnahmsweise etwas aus der Rolle zu fallen:-)


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Essensresteverwertung

März 14, 2013 at 5:43 nachmittags (Uncategorized)

Eigentlich mag ich keine Kochbücher. Totholz braucht Platz und den habe ich in meiner nicht-ganz-18qm-Wohnung nun mal nicht. Kochbuchautor ist in Zeiten des Internets eine zurecht aussterbende Spezies, da kann die Schöpfungshöhe des Werks noch so hoch sein, es handelt sich ja doch meist nur um reine Variationen bekannter Rezepte. Um mit den unzähligen Onlinerezeptforen, Sammlungen, Wikikochbüchern, tausenden Cupcakeblogs und Seideineigenersternekochyoutubevideotutorials mithalten zu können quälen uns Marketingexperten der kreativ-trendy-hippen-single-familien-fitness-Küche mit Bullshitbingo oder dem x-tausendsten Asiarezeptbuch mit gephotoshoppten Fooddesignplastiksushiröllchen.

Manchmal lockt ein auffälliges Design (oder die gähnend lange langsame Supermarktschlange) aber auch mich zu einem kurzen Blick in das ein oder andere Kochmagazin. Heute bin ich auf “Das Nichts Wegwerfen Kochbuch”(sic!) gestossen. Erwartet habe ich eines dieser unzähligen Reste-von-gestern-warmmachen-”Koch”-Bücher, die mir gar nichts nutzen, wenn ich mich nicht drei Tage lang von denselben Grundzutaten in oft wenig kreativen Varianten ernähren will(die noch dazu garantiert mindestens fünf andere frische Zutaten brauchen, die hundertprozentig nicht in singletauglicher Menge zu vernüftigen Preisen in normalen deutschen Supermärkten zu finden sind). Resteverwerten ist mir aber wichtig geworden, seit ich angefangen habe viel selber zu kochen. Ich bin Student, und die 3er-Paprikaampelpackung ist eben immer noch günstiger als zwei einzelne kleine Früchte. Mich nerven halbe übrige Zwiebeln, ausgewachsene Kartoffeln, ganz zu schweigen vom fünften Spiegelleifrühstück in Folge, weil das Haltbarkeitsdatum grenzwertig überschritten ist. In letzter Zeit habe ich deshalb oft weniger und dafür teure Lebensmittel gekauft, weil sich durch das zwangsweise wegwerfen infolge der wöchentlichen Kühlschrankinventur die anfängliche Preisersparnis immer öfter doch wieder aufhebt.

Projekte wie Foodsharing.de sind ein toller Ansatz, helfen aber akut nur bedingt, so lange sich das noch nicht herumgesprochen hat. “We feed the World” zeigt uns drastisch, wie anderswo auf der Welt Kinder verhungern, während in Deutschland über 80 Kilo Lebensmittel pro Person im Jahr im Müll landen.

Zurück zum Buch: Gleich beim ersten aufschlagen war ich begeistert: statt “Reste von gestern aufwärmen” lande ich auf einer Seite im Kapitel “konservieren”.  Hier gibt es verschiedene Rezepte für eingelegtes, Obst wie Gemüse, teilweise sogar für Fleisch. Zu jedem Rezept gibt es Zubereitungsfotos, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Angaben, wie lange die Sachen nach dem einkochen etwa haltbar sind. Im ersten Teil gibt es ein paar kreative Ideen, wie man halbleere Gläser mittels Nutzung zur Mischung von Soßen nahezu komplett leer bekommt, womit man sich selbst beim ausspülen oder den Müllarbeitern an Glascontainern auch noch einen Gefallen tut. Natürlich gibt es auch die üblichen Reste-von-gestern-Rezepte, die hier tatsächlich oft eine Kombination aus “Rest von gestern” und haltbaren Zutatenresten in kleinen Mengen darstellen.

Am Ende des Buches gibt es ein Register, geordnet nach Rezepten, Zutaten und Zeitaufwand.

Leider fehlt ein Teil mit Basics, wo z.B. erklärt wird, was “konservieren”, “einlegen”, “trocknen” , “einfrieren” mit Lebensmitteln eigentlich macht oder wo Probleme oder gar Gefahr für die Gesundheit drohen, wenn beim haltbarmachen doch mal etwas schief läuft.

Trotzdem ist das Buch genau das, was ich mir in letzer Zeit öfter beim Blick in den Kühlschrank gewünscht hätte und genau das, was ich mir vorstelle, wenn von “Reste sinnvoll verwerten” die Rede ist…

Zum Schluss noch ein eigener Tipp, der so nicht im Buch zu finden ist: Alte Semmeln (und Brot) lassen sich ganz einfach in der Tüte vom Bäcker an einem nicht zu warmen und vor allem trockenen Ort aufbewahren. Trockene, steinharte Brotstücke kann man in Öl und Gewürzen marinieren und in der Pfanne kurz zu leckeren Croutons für Suppen oder Salate anbraten. Mit einem Mörser zerstossen eignen sie sich als selbstgemachte Semmelbrösel. Weiche Semmeln vom Vortrag kann man, in Milch zusätzlich eingeweicht, zu einem Teig für Semmelknödel (sprich: “semmeknedl”) verarbeiten. Guten Appetit!


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Amazon im Supermarkt…

Februar 22, 2013 at 6:37 nachmittags (Notiz, soziales)

Wenn ich so von den Erlebnissen einer Studentin bei Amazon lese, erkenne ich sehr viel von dem wieder, was ich in meinen Job bei einer Regalauffüllfirma vor ein paar Jahren erlebt habe.

Ich hatte das damals über die studentische Arbeitsvermittlung der Arbeitsagentur angenommen, weil ich kurzfristig und unkompliziert ein wenig Geld zum Studium verdienen wollte, bis ich “richtige” Arbeit als Werkstudent oder in der Uni finde. Dafür war ich auch bereit gewesen, eine “normalen” Stundenlohn, trotz der Nachtarbeit, anzunehmen. Ich hatte vorher bereits in Hermannsdorf den Hof zum Erntedankest vorbereiten geholfen. Auch dort arbeiten Studenten. Firma und Mitarbeiter profitieren von flexiblen Arbeitsverträgen und geringen Abzügen, dafür ist die Bezahlung in Ordnung und gerade ausländische Studierende haben es leichter, weil weniger Deutschkenntnisse erwartet werden. Dort hatte ich als Stadtkind am Bauernhof Spaß, und als einzige die komplette Woche durchgehalten, obwohl laut Arbeitsvermittlung bevorzugt Männer für die Arbeit gesucht wurden. Vom Kopierwerkspraktikum bin ich Fließbandarbeit gewohnt und als Schülerin war ich schon mal längere Zeit zum Regale auffüllen angestellt. Ich habe wirklich kein Problem mit schwerer körperlicher Arbeit und so lange ich dabei alleine arbeiten und Musik hören kann finde ich das so ab und zu sogar ganz entspannend.

Wie das beim Regale auffüllen damals gelaufen ist war aber total daneben: Abends wurde erst mal der Laden abgesperrt, weil große Supermarktketten (ich erinnere mich an mindestens zwei unterschiedliche Unternehmen, mittlerweile habe ich auch Mitarbeiter bei einer anderen Firma gesehn) den Mitarbeitern der Regalauffüllleiharbeitsfirmen nicht trauen. Nachdem die ersten Abende zu viert gearbeitet wurde, was noch relativ gut funktioniert hatte kam es in kleineren Läden vor, dass man die ganze Nacht zu zweit oder zu dritt arbeiten musste. Wenn dann nach neuneinhalb Stunden Arbeit morgens nicht alles fertig war, wurde gehetzt, unter Druck gesetzt und Überstunden einfach mal nicht aufgeschrieben. Morgens total übermüdet und dennoch freundlich auf die Fragen von im Laden verirrten Kunden zu reagieren brachte einem höchstens einen grimmigen Blick der Chefin ein, da man sich auch noch vom Arbeiten abhalten ließ. Mit der Zeit war’s einfach die Hölle, wie herablassend die Mitarbeiter behandelt wurden. Jedem war klar, wie einfach er zu ersetzen ist.

Als ich nach ein paar Wochen gekündigt habe, gab es zum neuen Semester viele vor allem ausländische Studenten, die trotz der üblen Bedingungen anstanden, um dort Arbeit zu bekommen.

Ich war zum Glück nicht ernsthaft auf diese Arbeit angewiesen. Kurzfristig habe ich danach Arbeit bei einer kleinen Firma gefunden, die Studenten für’s Briefe kuvertieren mehr bezahlt hat als später die Uni für Tutorien und studentische Mitarbeit. Da wurden Stunden aufgerundet und wenn’s mal nötig war, weil’s viel Arbeit gab, saßen die beiden Chefs selbst mit an den Werkbänken. Auch hier wurde von den flexiblen Arbeitsbedingungen profitiert, weshalb, leider, bevorzugt Studenten eingestellt wurden. Es geht also auch anders.

Ausbeutung gibt es nicht nur bei Amazon. So lange es keinen Mindestlohn gibt wird es immer Leute geben, die für noch weniger Geld arbeiten, um sich auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen und überhaupt etwas verdienen zu können. Und Unternehmen, die froh sind für solchen Arbeiter über Dritte immer niedrigere Ausgaben zu haben, während sie gleichzeitig kaum eigene Mitarbeiter einstellen müssen. Wenn das auch noch von den Arbeitsagenturen massiv unterstützt wird indem Leute gezwungen werden, solche Arbeiten zu Dumpinglöhnen anzunehmen, werden wir diese Probleme auch nicht lösen. Verdienen tun dabei immer nur die Großen.

Heute versuche ich diese Läden möglichst zu meiden. In der Nähe hat ein Supermarkt aufgemacht, wo ich mir relativ sicher bin, dass dort nur eigene Mitarbeiter arbeiten. Der ist ein wenig teurer, der Azubi an der Kasse aber seit Monaten derselbe und die Mitarbeiter sind auch sonst alle freundlich. Ich denke über den Monat hinweg wird das etwa 5-10€ mehr ausmachen, wobei ich zugeben muss, dass ich nicht konsequent nur dort einkaufen kann.

Nachdem aber scheinbar viele Läden großer Ketten von selbstständigen Einzelhändlern betrieben werden ist es schwer eine pauschale Aussage zu machen, wo auf externe Firmen verzichtet wird. Ich habe auch schon in den mir als teurer bekannten Läden externe Mitarbeiter beobachtet, zum Teil von der selben Firma, bei der ich angestellt war. Im Discounter scheint man das aber allgemein nicht nötig zu haben, da die Mitarbeiter sowieso mies bezahlt werden. In der Regel haben die Mitarbeiter der Regalauffüllfirmen eigens bedruckte Kittel und reagieren auf Fragen wenn überhaupt mürrisch oder mit dem Hinweis, man “arbeite hier nicht”, was in der Regel auch stimmt, da die Mitarbeiter zumindest dort wo ich gearbeitet hab täglich wo anders eingesetzt wurden.

Da  das einen Boytkott enorm erschwert wird sich aber wohl kaum was ändern, bis endlich Politiker eingreifen, Mindestlöhne durchgesetzt und Abgaben generell verringert werden.


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Schach-WM mit Dame…

Januar 31, 2013 at 5:07 nachmittags (Notiz) (, , , , )

Männer können nicht zuhören und Frauen schlecht einparken. Auch das ist Sexismus. Im Zuge der “Aufschrei”-Debatte geht es mehr um krasse Folgen einer  auf die Trennung beider Geschlechter genormten Gesellschaft: die Wahrnehmung des Gegenübers *nur* als möglichen Sexualpartner und daraus resultierendes Fehlverhalten. Sexismus ist jedoch weit mehr. Er fängt da an, wo wir uns an bigeschlechtliche Stereotypien derart gewöhnt haben, dass wir automatisch Mann- bzw. Frausein als hauptsächlich bis einzig relevant für die Entwicklung, das Verhalten und die (körperlichen wie geistigen) Fähigkeiten einer Person voraussetzen (daher auch meine Kritik an einer Frauenquote).

Ein besonders auffälliges Beispiel einer unnötigen Aufteilung der Geschlechter sind getrennte Schachweltmeisterschaften und Bundesligen für “Männer und Frauen” und “Frauen”. Im Gegensatz zu anderen Sportarten kommt es hier nämlich nicht auf körperliche sondern rein auf geistige Fähigkeiten an.

Auf der Suche nach einer Erklärung dafür fand ich einen Zeit-Artikel über eine Studie, in der Forscher festgestellt haben wollen, dass Männer dann eine risikoreichere Eröffnung spielen, wenn sie einer “attraktiven” (von einer zweiten Testgruppe als besonders hübsch empfundenen) Frau gegenübersitzen (darüber, ob das auch bei homosexuellen Männern funktioniert äussert sich die Studie nicht). Als Grund dafür werden hormonelle Unterschiede und deren Auswirkungen genannt (gibt es eigentlich Dopingkontrollen beim Schachsport? Natürlich sind Hormone, ihre Auswirkungen und wie jemand damit umgeht immer gleich,  ja Mann, auch du bist  Brüderle und musst dich für garüberhauptnichts entschuldigen, wo kämen wir denn da hin?)

Derartige Feststellungen werden in vielen Lebensbereichen als Argument herangezogen, den Status quo (zum Beispiel einer Geschlechtertrennung) zu erhalten.
Statt mit der Zeit zu gehn und sich mit der Entwicklung der Welt hin zu einer Gleich*berechtigten zu reformieren werden keine Mühen gescheut, um nachträglich Begründungen für den vermeintlichen Sinn seit Jahrzehnten bestehender Trennungen nach Geschlechtern zu liefern (das “Weil-das-schon-immer-so-gewesen-ist-Syndrom”). Wären Schach-WMs in Rasse, Religion oder soziale Klassen geteilt würde es mit der passenden Studie wohl genauso gelingen, den “Beweis” zu erbringen, dass eine Erhaltung solcher Trennungen unabdingbar wäre.

Die zitierte Studie für diesen “Nachweis” heranzuziehen ist idiotisch.
Wahrscheinlich verhalten sich viele Männer in vielen anderen Situationen im Leben genauso. Das ist aber längst kein Grund, das zu dulden oder ihnen gar ein Handicap wegen präpupertärer Schwanzgesteuertheit zuzugestehn. Wenn wir mit solcher Argumentation das Geschlecht beachten, müssten wir konsequenterweise auch die Herkunft und Sozialisierung mit einbeziehen oder ob der Spieler als Kind mal vom Pferd gefallen ist.

Im realen Leben wird leicht erkennbaren Faktoren und quasi genormten Kategorien ein hoher Stellenwert zugemessen, während wichtige Details individueller Entwicklung übersehen oder gar absichtlich übergangen werden. Genau wie zum Beispiel in der Arbeitswelt bedeutet “risikoreich” aber auch “zurückhaltend” nicht gleich schlecht oder umgekehrt vorteilhaft, da jeder seine Fähigkeiten individuell einsetzen muss. Wie in der Arbeitswelt werden aber auch beim Schach vollkommen absurde Argumente herangezogen um vollkommen veraltete festgefahrene Strukturen zu erhalten.

In beiden Fällen würde die Erkenntnis helfen, dass nicht alle Männer, Frauen oder Eichhörnchen gleich sind und sich Menschen nicht in Schubladen stecken lassen. Und das mindestens mehrere Strategien zum Ziel führen können, wenn man auch mal andere als die bekannten scheinbar Erfolg garantierenden Wege geht. Mehr Neues. Mehr Genialität. Mehr Farben als bloß das Schwarzweißkariert einer Mann-Frau-Schach-WM. Strategie “Mensch sein” . Vielfalt erkennen und positiv nutzen…


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Aufschrei – wie wär’s, wenn ihr stattdessen lernt, euch zu benehmen?

Januar 25, 2013 at 11:57 vormittags (Notiz) (, , )

Abends in der Ubahn. Ein paar Jugendliche, die im vorbei gehen am Fenster obszöne Gesten machen. Ich hab schon schlimmeres erlebt. Nein. Mir wird schlecht. Auch da wurden Grenzen überschritten. Das macht man nicht.

Ich denke drüber nach. Flashbacks. Harmlose, kleine Respektlosigkeit. Versuch’s einfach zu vergessen. Mehr als verdrängen ist nicht drin. Verdrängen. Das wollt ich doch nie wieder.

Nach Tagen erzähle ich einem Freund davon. Höre, das seien eben kleine Arschlöcher. Das komme ja öfter vor. Nicht so drüber aufregen. Nicht so treffen lassen.

Diese Typen haben einen Fehler gemacht. Belästigt. Und nun soll ich meine Bewertung des Vorfalls anpassen? Das “nicht so ernst nehmen”? Meine Grenzen was zu weit geht verschieben?

Warum muss eigentlich immer ich mich anpassen?

Es fällt verdammt schwer darüber zu schreiben. Es ist peinlich. Dass das passiert ist. Aber noch mehr, zuzugeben, dass es einem so nahe geht. Dass es so trifft. “Hab dich nicht so”… Verdammt. Das sollte eigentlich nicht so sein.

*edit*

q.e.d.

Schuldfragen…


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Warum ich 2013 keine CSD-Beauftragung übernehmen werde

Dezember 7, 2012 at 12:41 nachmittags (piratiges)

Da ich gerade mit den CSD-Planungen für München 2013 anfange, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht…

Ich habe mich entschieden, für die CSDs 2013 keine bayernweite Beauftragung mehr zu übernehmen. Grund ist die Reaktion des bayrischen Vorstands, der mir auf der Aufstellungsversammlung 106 vorgeworfen hat, ich wäre unzuverlässig gewesen. Die Entscheidung fällt mir nicht leicht, da mir das Thema enorm wichtig ist und ich aus der Erfahrung der letzten zwei Jahre weiß, wie schwierig es sein wird, sich neu in Planung einzuarbeiten, da landesweit viele Termine für Anmeldefristen, Bestellung/Weiterversand von Infomaterial und die CSDs mit den CSD-Organisationen und den immer wieder wechselnden Vorständen koordiniert werden müssen. Da es in vielen Regionen keine konkreten Ansprechpartner für die CSD-Planung gibt wird sich ein möglicher Nachfolger selbst erneut um die Kontakte bemühen müssen.

Ich bin 2011 nach Ausfall des verantwortlichen Vorstands recht kurzfristig allein für die CSD-Planung in München eingesprungen. Dank der Hilfe von vielen Piraten vor Ort haben wir es 2011 dann sogar geschafft, knapp vor Anmeldefrist eine Teilnahme am Umzug samt Wagen zu organisieren (vielen Dank nochmal an @der_kalle für die großartige Unterstützung mit dem Wagen!). Nachdem München die aufwendigste CSD-Teilnahme in ganz Bayern ist war es 2011 schnell klar, dass es Sinn macht, zur Reduzierung der Kosten auch gleich die anderen CSDs in Bayern zu planen. Ohne Beauftragung hab ich damals alle Termine für Anmeldefristen gesucht, eine gemeinsame Aufkleberbestellung koordinert und den CSDs an denen ich meist selbst anwesend war Material verliehen. Durch die großartige Hilfe von vielen Piraten aus den jeweiligen Bezirken konnten wir so 2011 erstmals an allen CSD in Bayern teilnehmen.

Als ich zum Jahresende 2011 mit den Planungen für München begann war für mich klar, dass ich 2012 von vornherein als Ansprechpartnerin für ganz Bayern zur Verfügung stehen würde. In der folgenden Zeit hatte ich mit einigen der Vorstände des Landesverbandes gesprochen. Dabei ging es erst mal ganz unverbindlich um die Rahmenbedingungen und den Sinn einer Beauftragung. Ich hatte angekündigt, mir selbst einen Antrag bzw. eine Ausschreibung zu schreiben (das war etwa 5 Monate vor Beginn der CSD-Saison). Als ich (einen Tag nach der betreffenden Sitzung) von der erteilten Beauftragung erfuhr war ich nicht nur überrascht sondern geradezu wütend. Einen konreten Antrag gab es zum Zeitpunkt des Beschlusses nicht. Auf der Aufstellungsversammlung wurde mir dann unter anderem vorgeworfen, ich sei bei der Erteilung der Beauftrgung nicht anwesend gewesen. Aus den Protokollen aus der Zeit ist ersichtlich, dass es sich dabei (unnötigerweise) um einen Umlaufbeschluss handelte, dem außerdem jegliche Konkretisierung des Auftrags fehlte. Auch in der Liste der Beauftragten des Landesverbandes fehlt die CSD-Beauftragung völlig (Stand 07.12.12).

Wie schon 2011 waren die CSD-Teilnahmen 2012 ein voller Erfolg. Wir haben an allen CSDs teil genommen. Durch die gemeinsame Aufkleberbestellung hat der Landesverband eine Menge unnötiger Kosten gespart. Obwohl es in den einzelnen Bezirken keine eigenen CSD-Beauftragten gab die vor Ort koordiniert haben, ist es 2012 gelungen,  an jedem einzelnen CSD zumindest mit einem Infostand teilzunehmen. Wer bei den Piraten schon mal Veranstaltungen mit jeweils mindestens 10 Helfern organisiert hat weiß wie schwierig es ist, alles unter einen Hut zu bekommen. Man muss flexibel reagieren, planen und umplanen, Ersatz für personelle und materielle Ausfälle finden, feste Zusagen gibt es von den wenigsten Piraten, während man sich drauf verlassen kann, dass spontan am Ende doch alles klappt. In München betraf das zeitweise fast 30 Helfer, da gleichzeitig Infostand und Umzug stattfinden und der CSD über zwei Tage dauert (neben einer Ausstellug zur PrideWeek vorher, mit der wir dieses Jahr zum ersten mal in die neue Geschäftsstelle eingeladen haben). Ich denke einige werden mir recht geben, wenn ich sage, dass die CSDs eine der aufwendigsten und trotzdem erfolgreichsten landesweiten Aktionen überhaupt sind. Diese positive Rückmeldung habe ich auch von den jeweils vor Ort Beteiligten erhalten.

Für das Wahljahr 2013 wünsche ich mir, dass wir wo möglich mit Wagen an den Umzügen teilnehmen. Wir haben das fortschrittlichste Programm hinsichtlich Familien- und Geschlechterpolitik und das müssen wir auch zeigen.

Ich selbst werde aber keine landesweite Planung mehr übernehmen. Man kann sicher immer etwas besser machen. Der Landesvorstand hat es aber so dargstellt, als hätten die Planungen nicht funktioniert, als wäre etwas schief gelaufen und der Partei durch unzuverlässiges Verhalten Schaden enstanden. Die Gründe dafür, dies anonym auf einer Aufstellungsversammlung vorzuwerfen, wo die Vorwürfe kurzfristig nicht überprüfbar sind und umso gavierender Einfluss auf eine Wahlentscheidung haben, mögen in Wahrheit nichts mit meiner Arbeit zu tun gehabt haben, aber scheinbar war’s das wert und mein Verzicht auf eine erneute Beauftragung hinnehmbarer Nebeneffekt. Ich bin unbequem (und stolz darauf). Anders. Es hätte genug legitime Argumente gegen eine Kandidatur gegeben. Mangelnder Einsatz, Unzuverlässigkeit und Begeisterung gehörten nicht dazu (Dinge wirklich zu verstehen, statt sie auswendig herunterzubeten übrigens auch nicht, siehe Rest der AV).

Man mag mir “Getrolle” vorwerfen (jemand sagte mal “Aufrichtigkeit”). Dass ich meine Meinung sage.  Hartnäckigkeit. Inhaltliches shitstormen. Aber nicht meine Arbeit wenn es um Organisation geht. Nicht etwas, das (nicht nur beim CSD) so gut gelaufen ist. Ich habe über die letzten Jahre den CSD, 2010 die Teilnahme am Streetlife, den “Frühliung der Freiheit” 2011 und diverse Infostände mit- oder hauptverantwortlich organisiert. Ich bin erreichbar, kenne Ansprechpartner und wenn mal zwei Tage vor der Demo ein LKW für den Hanftag gebraucht wird klappt das. Ich habe durch die Organisation viel gelernt, vor allem größere Gruppen zu motivieren und koordinieren und flexibel auf sich ständig ändernde Umstände zu reagieren. Ja, ich hab das auch gemacht, um mich selbst Herausforderungen zu stellen, zu denen ich lange Zeit tatsächlich nicht imstande war. Es hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, wie das in der Gruppe funktioniert hat. Ich danke allen, die mich dabei unterstützt haben. Ich hoffe man wird aber verstehen, wenn ich nach so einer Reaktion nicht mehr zur Verfügung stehe.

 


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zur #InWoche

November 19, 2012 at 5:31 nachmittags (Uncategorized) (, , , , , )

The awful German language: Sex & Gender

Every noun has a gender, and there is no sense or system in the distribution; so the gender of each must be learned separately and by heart. There is no other way. To do this one has to have a memory like a memorandum-book. In German, a young lady has no sex, while a turnip has. Think what overwrought reverence that shows for the turnip, and what callous disrespect for the girl. See how it looks in print — I translate this from a conversation in one of the best of the German Sunday-school books:

“Gretchen.
Wilhelm, where is the turnip?
Wilhelm.
She has gone to the kitchen.
Gretchen.
Where is the accomplished and beautiful English maiden?
Wilhelm.
It has gone to the opera.”

To continue with the German genders: a tree is male, its buds are female, its leaves are neuter; horses are sexless, dogs are male, cats are female — tomcats included, of course; a person’s mouth, neck, bosom, elbows, fingers, nails, feet, and body are of the male sex, and his head is male or neuter according to the word selected to signify it, and not according to the sex of the individual who wears it — for in Germany all the women either male heads or sexless ones; a person’s nose, lips, shoulders, breast, hands, and toes are of the female sex; and his hair, ears, eyes, chin, legs, knees, heart, and conscience haven’t any sex at all. The inventor of the language probably got what he knew about a conscience from hearsay.

Now, by the above dissection, the reader will see that in Germany a man may think he is a man, but when he comes to look into the matter closely, he is bound to have his doubts; he finds that in sober truth he is a most ridiculous mixture; and if he ends by trying to comfort himself with the thought that he can at least depend on a third of this mess as being manly and masculine, the humiliating second thought will quickly remind him that in this respect he is no better off than any woman or cow in the land.

In the German it is true that by some oversight of the inventor of the language, a Woman is a female; but a Wife (Weib) is not — which is unfortunate. A Wife, here, has no sex; she is neuter; so, according to the grammar, a fish is he, his scales are she, but a fishwife is neither. To describe a wife as sexless may be called under-description; that is bad enough, but over-description is surely worse. A German speaks of an Englishman as the Engländer; to change the sex, he adds inn, and that stands for Englishwoman — Engländerinn. That seems descriptive enough, but still it is not exact enough for a German; so he precedes the word with that article which indicates that the creature to follow is feminine, and writes it down thus: “die Engländerinn,” — which means “the she-Englishwoman.” I consider that that person is over-described.

aus: ” The awful German language” , M. Twain, A Tramp Abroad, 1880

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Quotenzahlenspiele

November 16, 2012 at 9:29 nachmittags (piratiges) (, )

Julia Schramm twitterte vor ein paar Tagen einen Link zu einem Flyer, auf dem gegen die Einführung des Frauenwahlrechts in den USA argumentiert wurde.

Zur Zeit lese ich in Diskussionen über Themen, von denen eines der beiden Geschlechter sich besonders betroffen fühlt, wie das Frauenwahlrecht oder auch die Beschneidung von Jungen, die jeweils andere Gruppe hätte kein Recht, sich in Debatten einzumischen, die allein das jeweils andere Geschlecht betreffen. Das geht so weit, dass manch einer vorschlägt, zum Beispiel nur Frauen über Frauenquoten abstimmen zu lassen. Dem möchte ich nun entgegenhalten, dass es tatsächlich durch eine Mehrheit zur Einführung des Frauenwahlrechts kam, natürlich geschah das viel zu spät und nicht ohne massiven Druck, Mistgabeln und Hungerstreiks. Abgesehen von gewalttätigen Revolutionen, die eine Gelegenheit zum Neuanfang bieten, war es aber auch immer zwingend nötig, dass sich in der Gesellschaft eine Mehrheit der Privilegierten findet, die die minder privilegierten Gruppen unterstützten.

Oft wird aber einfach argumentiert, es sei unmöglich, sich einzufühlen, zu verstehen oder die Gegenseite hätte gar kein Interesse, die eigene Macht zu beschneiden. Wenn man sich den Ausgang der Debatte um das Frauenwahlrecht ansieht, muss man dem schon aus  rein logischen Gesichtpunkten absolut widersprechen:

Für die (Wieder)Einführung des Frauenwahlrechts Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA war eine Mehrheit im Parlament nötig. Als die erste Initiative nicht zum Erfolg führte, war das mit ausschlaggebend dafür, dass bei der nächsten Wahl Vertreter gewählt wurden, die sich für das Frauenwahlrecht einsetzten. Die erneute Abstimmung wurde schließlich von den Befürwortern des Frauenwahlrechts für sich entschieden. Mehr als die Hälfte des von Männern neu gewählten Parlaments stand also auf Seite der Frauen und hatte sich überzeugen lassen.

Ich bin arg irritiert, dass Julia Schramm dem widerspricht. Ich frage mich, was für ein Weltbild und Misstrauen in die Wirkkraft der eigenen Argumenten in dieser Ansicht liegt. Im Landesverband Berlin zeigt sich gerade, dass sehr wohl auch Männer Vorteile in der Wahl von Frauen sehen und diese aktiv unterstützen, und das ganz ohne Mistgabeln im Nacken.

Wer Frauen unterstütze kann kein *echter* Mann sein. Mit ihrer Argumentation macht sie aus aufrichtigen Demokraten der 1920ger(im heutigen Sinne!) verweichlichte *Frauen*. Sie pauschalisiert und übersieht dabei, dass ihre Argumentation jeglicher Logik entbehrt. Solche Äusserungen regen mich besonders auf , da wir in Parlamentsdebatten auf weitaus schwierigere Debatten gefasst sein müssen. So etwas dürfen wir uns dort keinesfalls leisten.

bei all den Debatten gerne vergessen: Menschen, die sich nicht mit einer bestimmten geschlechtlichen Identität identifizieren können
Quelle:@kegelklub/”Her mit dem Frauenwahlrecht” (gemeinfrei)

Natürlich wird es immer auch Männer geben, die die eigenen Privilegen nicht gerne aufgeben möchten. Solche, die -berechtigterweise- die eigene Macht gefährdet sehen. Wieder andere übersehen das manchmal und setzen sich nach außen für Quoten genau so ein, dass der eigene Status nicht gefährdet ist (Darüber habe ich zuletzt etwas ausführlicher geblogt, und natürlich gab es aus genau diesen Kreisen wieder die stärkste Zustimmung, während ernsthafte Änderungen auf sich warten ließen. Und ich weiß nicht, ob der Weg der Sonderbehandlung, den die Berliner gehen, jetzt der richtige ist)

Was bei diesen Diskussionen leider selbstverständlich wieder vollkommen vergessen wird: Was ist eigentlich mit den Eichhörnchen?

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#ichhabnichtangezeigt

November 12, 2012 at 7:58 vormittags (Notiz, Uncategorized)

***Triggerwarnung*** bitte lest das nicht, wenn es euch ähnlich ergangen ist und ihr allein seid***

Es ist vorbei. Am Wochenende hab ich erfahren, dass er längere Zeit sitzen wird. Etwas, was mich lange Zeit beschäftigt, eingeschränkt hat ist vorbei, und ich beginne gerade zu realisieren, was das bedeutet. Es bringt einem ein wichtiges Stück Lebensqualität  zurück.

Ich fühle mich feige. Ich hab jetzt *leicht* reden. Ich hatte einfach Glück. “Glück”,  dass es Zeugen gab. Und dass das nicht der einzige Fall war. “Glück” dass ich so gezwungen war, etwas zu sagen, und dass gewisse Sicherheit bestanden hat, dass einem geglaubt wird. Und eigentlich, eigentlich ein schlechtes Gewissen, weil ich es verdrängt habe und mir gleichzeitig vorgeworfen habe, dass das nicht das einzige Mal gewesen sein wird, dass das wieder passiert und das ist eigentlich das schlimmste aber ich hatte schon mal negative Erfahrungen in der Hinsicht gemacht und ich konnte das einfach nicht.

Ich hab’s verdrängt. Ich hab mich in Arbeit gestürzt, workaholic. Bis ich sie verloren hab, weil’s immer nur davongelaufen  war, immer nur verdrängt, weil ich an diesem Ort nicht mehr sein konnte.

Vor ein paar Monaten dann eine Ladung zum Prozess Ende Oktober. Ich war erst mal wütend. Wütend, dass man mich damit gezwungen hat, an etwas zu denken, was ich nie nie wieder denken wollte(und hat es doch doch nicht funktioniert, noch dazu die Gefahr, diese ständige Gewissheit, dass er noch draussen ist, da). Ich gab dem Richter eine “Schuld”. Habe mich verraten gefühlt. Das ist der falsche Weg. Ich weiß ich hab leicht reden aber bitte, wenn so etwas passiert, denkt nicht so.

Ich hab nun tatsächlich versucht, es zurückzuholen. Ich hab ein verdammt gutes Gedächtnis, mich in eine Situation hineinzuversetzen hilft mir, normalerweise, jeden Fetzen eines Gesprächs,  jede Sekunde, jeden Moment einer Begegnung zurückzuholen. Aphatisch-nüchtern bin ich durch gegangen, was war. Das hab ich in Therapie gelernt. Bloß nichts falsch machen, bloß nicht. Am Ende lag es nicht in meiner Verantwortung und das bereue ich mittlerweile. Ich hab nicht mehr aussagen müssen, das war vorher vorbei, und ich hatte gebeten, dass drauf verzichtet wird wenn’s nicht zwingend nötig ist. Vielleicht hätte es doch noch mehr gebracht. Und außerdem hätt ich mir so nicht noch ewig Gedanken machen müssen, wie es wohl ausgegangen ist, mir nicht noch ewig Gedanken gemacht . War ich feige? Ist es nicht legitim, sich nicht in Situationen zu begeben, die einen so belasten? Wie gesagt, ich hab leicht reden. Ich wusste, dass das auf jedenFall “gut” ausgeht.

Ich möchte euch Mut machen, selbst anzuzeigen. Dass ich es nicht getan habe war ein riesen Fehler. Dieses Gefühl grade, diese Erleichterung, die Selbstvorwürfe und alles löst sich langsam. Ich war auf die falschen Leute wütend. Auf Frauenhilfen, Feministinnen, den Kegelklub. Immer war da wer, der alles besser wusste, von denen der größere Teil (zumindest war das meine egoistische , verspulte Annahme, wenn man sich schlicht die Fakten ansieht müsste ich eigentllich wissen, dass ich damit nicht allein bin) in meinem Augen doch gar nicht wissen könnte, wie so was ist, und egal was an Vorschlägen und Aktionen und Aussagen kam, ich habe nicht zugehört und wusste es doch immer besser und war doch wütend, dass man mich damit wieder dazu gebracht hat, mich damit auseinanderzusetzen (und btw, was die Anträge zum Thema sexuelle Gewalt im LQFB angeht: geschultes Personal bei der Polizei und Regelungen, die dazu führen, dass man da nicht allein zu ner Aussage hin darf, zumindest nicht ohne vorherige Vorbereitung durch Psychologen, sind eigentlich das wichtigste. Dass Nachfragen kommen lässt sich nicht verhindern. Das sind nicht immer Zweifel an einer Aussage, so einfach ist das nicht. Und es braucht schon mehr Ideen als irgendwelche Schönheitskorrekturen in kühlen Paragraphen).

Wichtig ist, dass man sich das klar macht. Nachfragen sind keine Zweifel, müssen manchmal sein. Auch das hab ich  versucht. Das bewusst machen, dass das nicht bedeutet, dass einem nicht geglaubt wird. Der Prozess war ja da, das ließ sich nicht mehr abwenden, und manchmal ist das einfach urplötzlich herausgebrochen, ich konnte plötzlich nicht mehr klar denken, und es wurde nachgefragt, nachgehakt. Ich bin denen dankbar, die sich das angetan haben, die mir geholfen haben zu strukturieren, die zugehört und mir Mut gemacht haben, ohne euch hätt ich’s nicht geschafft. Deshalb meine Bitte an alle, lasst Menschen nicht allein, wenn ihr so was mit bekommt. Bohrt nach, fragt, und ja, wenn ihr Zweifel habt haltet erst mal die Klappe. Unschöne Fragen kommen bei einer Aufnahme oder Verhandlung noch genug, das ist nicht eure Aufgabe. Versucht einfach selbst, zu unterstützen. Vermittelt selbst, dass ihr glaubt. Und wenn es euch unangenehm ist, mit so etwas konfrontiert zu sein, wenn ihr euch nicht stark genug fühlt sagt es. Keiner kann das verlangen und wenn man zeigt, dass es einen berührt, ist das meist auch schon eine große Hilfe.

Natürlich lässt sich nichts ungeschehen machen. Folgeschäden, Kreise, es zieht einen immer weiter runter wenn man sich dieser Sache nicht stellt, und selbst dann fällt einem alles nicht so leicht (zumindest Arbeit hab ich aber wieder gefunden, eine tolle, gute, und manchmal ist es gerade das ablenken müssen, dass dazu führt, dass ich viel Zeit in andre Dinge investiere, workaholic, ein grund. Immer bestrebt, sich nicht beeinflussen zu lassen. o intensiv, dass man sich zwangsablenkt, sich dabei zu wenig Zeit für sich selbst nimmt, um bloß nicht im eigenen gedankenkäfig zu irren). nur, man kann sich vielleicht ablenken, in Arbeit stürzen, aber verschwinden tut es davon nicht. Das hab ich dann gemerkt, wenn es urplötzlich wieder da war, ein falsches Wort, ein Scherz, eine unachsame Bemerkung. Ich bin dann gegangen. Bloß nix anmerken lassen. Unrealistisch, dass das funktioniert, wenn einen ein Freund urplötzlich nicht mehr umarmen darf. Manchmal wurde dann nachgehakt, ich hab was gesagt, und dann hab ich mir gleich Vorwürfe gemacht, Leute damit zu belasten.

Es ist immer da, es wird immer ein Teil von mir sein. Durch die Therapie akzeptier ich das. Und ich seh nicht ein, warum jemand, dem scheiße passiert ist sein Leben lang dran zerbrechen muss. Es ist vorbei.

Ich bin glücklich.

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Bekehrt und begeistert: Erste Schritte eines Liquid-Democracy-Newbies

November 9, 2012 at 12:02 nachmittags (LiquidTagebuch) (, , , )

Ich war ja bisher immer kritisch gegen die Verwendung von LQFB als Abstimmungstool, hatte aber auch den Eindruck, dass es super zur Programmentwicklung ist, wenn es funktioniert wie es eigentlich sollte und genutzt wird wie es eigentlich vorhergesehen ist. Bisher hatte ich aber zu LQFB im Bund schlicht keinen funktionierenden Zugang. Deshalb habe ich mich auch auf die Einführung von “Piratefeedback” im LV Bayern gefreut.

Zuerst einmal weil ich den Eindruck habe, dass Piratefeedback in Bayern mit dem Anspruch eingeführt wurde, als Meinungsbildungs- und Programmentwicklungswerkzeug zu dienen. Da Onlineabstimmungstools für mich einem Wahlcomputer gleichkommen wäre die Nutzung des Programms, zu dem nicht einmal jedes Parteimitglied Zugang hat nicht als anonymes und, aus Datenschutzgründen,  erst recht nicht als Klarnamen-Abstimmungstool (Stichwort: ständige Mitgliederversammlung) akzeptabel.

Außerdem gibt es einige Kritikpunkte am aktuellen LQFB, die verbessert wurden: Die Präferenzdelegation im Vergleich zur bisherigen, wo Delegationsketten zu  “Superdelegierten” führen. Zu den unterschiedlichen Auswirkungen kann ich als Neuling nur nachvollziehen, was ich von außerhalb LQFB bisher von “Superdelegierten” und lange Zeit nicht auslaufenden Delegationen mitbekommen hab. Da scheint mir die bayrische Lösung auf den ersten Blick schon sinnvoller.

Erste Schritte, erste Hürden

Nachdem am Wochenende die Zugangscodes versandt und  PirateFeedback erfolgreich gestartet worden war, habe ich also, motiviert auch endlich auf diese Art an der Programmgestaltung teilzunehmen, meinen Account frei geschaltet.

Beim ersten Anmelden war alles übersichtlich. Hilfefenster mit leider etwas zu langen und teilweise wenig aussagekräftigen Hilfetexten, die sich aber leicht weg- und auch wieder sichtbar klicken lassen, ansonsten klare Farben und eine einigermaßen übersichtliche und aufgeräumte Struktur.

Von den Funktionen hatte mich zuerst einmal das Delegationssystem interessiert. Da für mich feststeht, dass ich meine Stimme in Familenpolitikfragen gerne an @mueslikind delegieren möchte habe ich zuerst versucht, ihr eine Delegation zu dem gesamten Themenbereich zu geben. Ich lese nicht gerne Anleitungen und Piratefeedback ist da leider wenig selbsterklärend. Ich hatte erwartet, dass ich auf das Profil der Person klicke und dann auf der Profilseite eine Möglichkeit bekomme, meine Stimme ean diese Person zu delegieren. Fehlenzeige: Auf der Seite “Delegationen” in jedem Profil erwartete mich nur eine sehr unübersichtlicher Haufen Felder und es war offensichtlich, dass das nicht so gedacht war, wie es auf einem 10,2-Zoll-Netbookmonitor herauskam (der Fehler ist bekannt und wird gerade gefixt).

Piratefeedback auf 10,2 Zoll-Netbookmonitor unter Chrome

Piratefeedback auf 10,2 Zoll-Netbookmonitor unter Chrome: Zeilenumbruch bei Titeln; Delegationsketten nicht mehr klar erkennbar

Piratefeedback auf “normalen” Laptop/Desktop-Bildschirmen

Auch die korrekte Darstellung der Seite war wenig aufschlussreich für jemanden, der zum ersten Mal in einem Liquid-Democracy-Tool unterwegs ist: Im Hilfetext auf der Seite wird zwar die Darstellung des Delegationssystem und wie diese zu interpretieren ist verständlich erklärt, nicht aber wie ich überhaupt Delegationen an Mitglieder vergeben kann. Auf Nachfrage bei den Entwicklern bekam ich einen Link zu Flo’s guter Videoanleitung  (leider werden aber technische Aspekte, ein HowTo für Leute, die eigentlich schon wissen, was sie wollen und nur herusfinden möchten wie das geht, mit zu viel grundsätzlicher, ideologischer Erklärung der Unterschiede von Ketten/Präferenzdelegation vermischt. Wer schon weiß was das ist muss die entsprechende Stelle suchen, wo Schritt für Schritt gezeigt wird, wie eine Delegation vergeben wird)

Die Lösung für meine Frage: Delegationen werden aus den einzelnen Themenbereichen bzw. Abstimmungen heraus vergeben.  Hier wäre es schön, wenn beim Anmelden auf das Video verlinkt wäre. Einige Mitglieder haben im Themenbereich “Pirate Feedback” weitere  Verbesserungen zum Delegationssystem vorgeschlagen, deren Sinnhaftigkeit sich mir als Neuling nicht ohne weiteres Einarbeiten und Vergleich zu LQFB erschließt.

Ein wenig Stöbern bei der Suche nach den Delegationen brachte mich auf die ersten Anträge.

Das Erstellen von eigenen Anträgen ist dabei ganz leicht. Man klickt im jeweilgen Themenbereich auf “neues Thema anlegen. Die Übersicht zum Regelwerk erläutert sehr gut, was die richtig Auswahl für den eigenen Antrag ist. Ein wenig störend  ist, dass es scheinbar keine Möglicheit gibt, den Titel einer Initiative nachträglich zu ändern.

Nachfolgend ein paar Kommentare zu ein paar Anträgen, Anregungen und den ersten von mir erstellten Anträgen.

Programmatisches

Stadtentwicklung, Bau und Verkehr: Neue Wege in der Autobahnmaut

Der erste Antrag, der mir aufgefallen war, war der Antrag “Autobahnpflicht für LKWs” . Ich fand den Antrag nicht besonders durchdacht und schlecht begründet. Ich habe aber auch gesehn, dass schon von einigen Interesse angemeldet wurde, den Antrag, der darauf abzielt, LKWs aus von Landstraßen und Dörfern gänzlich zu verbannen, abzustimmen. Weil ich die Idee an sich für sinnvoll halte, ländliche Ortschaften vom LKW-Verkehr zu entlasten habe ich mir überlegt, wie man das bestehende System so verbessern könnte, dass die betroffenen Gemeinden profitieren und die Regelungen gleichzeitig nicht zu stark in die unternehmerische Freiheit der Fuhrunternehmer eingreifen oder zu stark erhöhten Kosten im LKW-Fernverkehr führen, welche auf Lebensmittelpreise umgelegt werden könnten.
Die erarbeitete Lösung “Durchfahrtgebühr statt Autobahnpflicht” legt die Einführung einer Maut in die Hände der Kommunen. Über die Erhebung von Gebühren soll dabei in lokalen Bürgerentscheiden abgestimmt werden. Obwohl relativ spontan entstanden, finde ich das Eregebnis der bisherigen Antragsarbeit gut. Falls sich genug Interesse zeigt würde ich den Antrag auch auf Parteitagen zur Abstimmung einreichen. Fest steht nämlich auf jeden Fall, dass 2015 ein neues Mautsystem eingeführt werden muss, da die Verträge mit TollCollect auslaufen.
Die Arbeit am Antrag rief  Andreas, einen unserer Experten aus der AG Bauen und Verkehr, auf den Plan, der daraufhin einen eigenen Antrag “Verwaltungsarme LKW-Grund-Maut anstelle Benutzungspflicht und Komunalen Gebühren” entwickelt hat, den ich an sich unterstützendwert fände.
Was mich ein wenig gestört hat war, dass Andreas als Verfasser der Gegenitiative bei meinem Antrag eine Anregung “Antrag zurückziehen und meinen Antrag unterstützen” eingestellt hat. Vorschläge und alternative Initiativen sind vollkommen okay, aber anzuregen, den gänzlich anders aufgebauten Alternativantrag zurückzuziehen verkehrt irgendwie den Sinn von Alterniven, PirateFeedback und einer Wahl überhaupt. Als Neuling habe ich mich gefragt, ob das häufiger so vorkommt und ob es nicht LQFB-Nettiquette wäre, keine derartigen “Pseudoanregungen” zu verfassen.

Verbraucherschutz: Verbraucherinformationsgesetz: Einheitliche Kontrollen, mehr Transparenz und schnellerer Informationsfluss und ein Vorschlag für ein faires Kontrollsystem bei Lebensmittelkontrollen

Der zweite von mir eingereichte Antrag soll ein Positionspapier zum Internetpranger abstimmen. Grundsätzlich finde ich die Idee mit dem Internetpranger gut. Ich hatte eigentlich erwartet, dass wir zur Einführung mit einem Beitrag auf der Webseite des Landesverbandes veröffentlichen könnten, der die verbesserte Transprenz hervorhebt und lobt.
Bei kurzer Diskussion des Vorschlags auf der Mailingliste schien das vielen zu wenig abgestimmt, und man war berechtigterweise der Meinung, man könnte aus unserem bisherigen Programm nirgends eine Position zum Thema ableiten. Zudem kamen Bedenken auf, wir würden mit einer grundsätzlich positiven Haltung zum ruf- und geschäftsschädigenden Pranger Wirte als potentielle Wähler vergraulen.
All diese Überlegungen sind in den aktuellen Antrag mit eingeflossen. Ich habe mich seit der Einführung bereits intensiv mit den Bedenken der Wirte und den Nachteilen der aktuellen Regelungen auseinander gesetzt.  Daraus entstand der ergänzende Antrag “Vorschlag für ein faires Kontrollsystem bei Lebensmittelkontrollen

Ich finde es wichtig, dass wir zu diesem Thema Position beziehen und werde beide Anträge auf jeden Fall bei den nächsten Parteitagen als Positionspapiere einreichen. Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Anregungen und Unterstützung beider Anträge.

Verbesserungsvorschläge am Pirate Feedback

Die anderen Anträge, die ich bisher eingereicht habe, sind während der ersten Schritte bei der Benutzung von Pirate  Feedback entstanden. Es handelt sich um Vorschläge, die die Arbeit im Pirate Feedback erleichtern sollen.
Als Neuling habe ich einige Punkte entdeckt, die LiquidFeedback-Nutzern vielleicht weniger Probleme bereiten als jemandem, der zum ersten mal ein LiquidDemocracy-Tool benutzt. Vielleicht haben sich manche der hier entwickelten im laufenden LQFB-Betrieb bereits als nicht sinnvoll erwiesen. Deshalb bitte ich euch, die daraus entstandenen Vorschläge weiter zu verbessern und zu unterstützen:

Durchstreichen statt Löschen von Anregungen bei Rücknahme der Unterstützung

Zuerst einmal ist mir aufgefallen, dass, wenn ich meine potentielle Unterstützung eines Antrags, die autmatisch ensteht, wenn ich eine Anregung schreibe , zurück ziehe, die Anregung gleichzeitig vollkommen gelöscht wird. Das geschieht durch einen einzelnen Klick auf “Unterstützung zurücknehmen”. Die Anregung ist dann weg und auch nicht mehr rekostruierbar. Ich finde es nicht gut, dass das ohne Vorwarnung geschieht. Man erfährt bei Rückzug der Unterstützung gar nicht, dass die eigene Anregung damit komplett aus dem System verschwindet.
Zweites ist aber auch problematisch, dass Anregungen so aus dem System verschwinden und nicht mehr nachvollziehbar ist, wenn eine Anregung zurückgenommen wurde, weil z.B. der Verfasser der Initiative erklärt hat, dass er die Anregung garantiert nicht umsetzen wolle. Deshalb möchte ich die Anregungen, wie zurück genommene Initiativen auch, durchgestrichen und damit quasi entwertet und nicht abstimmbar, bestehen lassen. Die Überlegung, das würde dann ausgenutzt werden, um Anregungen zu schreiben, obwohl man den Antrag nicht unterstützt kann ich nicht nachvollziehen, da das Problem jetzt auch schon besteht.

Eigener Themenbereich “Bundesthemen” im bayrischen Pirate Feedback

Aus der Diskussion heraus, ob Bundesthemen im bayrischen PirateFeedback behandelt werden sollen enstand meine Initinative,  für Bundesthemen eine eigene Gliederung einzurichten. Ich selbst bin grundsätzlich dafür, dass die Themen auch im PirateFeedback abgestimmt werden können, da es immer noch das Problem gibt, dass viele Mitglieder zum BundesLQFB gar keinen Zugang haben. Außerdem könnte es durchaus interessant sein, wie Bayern über ein Bundesthema abstimmt.
Vor allem aber liegt es oft im Ermessen der Initiativenersteller, ob ein Thema als allein bundespolitisch relevant betrachtet wird. Jegliche Einschränkungen wären falsch und würden möglicherweise Zensur fördern.

Automatische Suche nach ähnlichen Titeln zur Verhinderung doppelter Anträge

Mit dem dritten Antrag sollen doppelte Anträge vermieden werden. Eine ähnliche Funktion wird häufig in Foren benutzt. Diese Funkion müsste von den Entwicklern umgestzt werden und bräuchte wohl einige Zeit in der Umsetzung

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